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Forschung · Lehre · Ausblick

Future Forensics

Wie lassen sich Taten aufklären, wenn Angriffe automatisiert ablaufen, Beweise flüchtig sind und heutige Signaturverfahren angreifbar werden? future-forensics.de bündelt Forschungsfragen, Veröffentlichungen und Lehre zur forensischen Informatik von morgen.

Forschung

Forschungsfragen

Sechs Fragen, an denen gearbeitet wird. Wo es heute schon belastbare Verfahren gibt, verweist die Seite auf die Praxis; wo eine Veröffentlichung vorliegt, auf diese.

Proaktive Forensik

Spurensicherung beginnt im Moment der Erkennung – nicht erst nach dem Schaden.

Wie werden Spuren, die ein KI-System bei der Erkennung eines Angriffs sichert, so dokumentiert, dass sie später als Beweis taugen?

Praxis heute: ki-forensik.de, Bereich 01

Erklärbare KI-Befunde

Gerichte müssen Befunde würdigen können, auch wenn ein Modell an ihnen mitgewirkt hat.

Welche Angaben zu Validierung, Fehlerquoten und Grenzen braucht ein KI-gestützter Befund, damit er nachvollziehbar bleibt?

Praxis heute: ki-forensik.de, Bereich 02

Softwaredefinierte Netze

Ist das Netz selbst programmierbar, liegen Spuren auch in Steuerungsebene und Flusstabellen.

Wie werden Zustand und Änderungen eines softwaredefinierten Netzes forensisch gesichert?

Veröffentlichung: INFORMATIK 2024

NIS-2 und forensische Bereitschaft

Die NIS-2-Richtlinie verlangt Vorbereitung auf Vorfälle; der BSI-Leitfaden IT-Forensik stammt von 2011.

Wo stimmen beide überein, und wo entstehen Lücken für die Beweissicherung?

Veröffentlichung: INFORMATIK 2025

Verteilte und flüchtige Daten

Cloud-Dienste, IoT-Geräte und Container halten Daten nur kurz und an wechselnden Orten.

Wie werden flüchtige Daten erfasst, wenn Speicherort und Zuständigkeit unklar sind?

Rahmen: Verordnung (EU) 2023/1543 (elektronische Beweismittel), anwendbar ab 18. August 2026

Beweiswert über Jahrzehnte

Signaturen auf Basis von RSA und elliptischen Kurven gelten gegenüber leistungsfähigen Quantenrechnern als angreifbar.

Wie bleiben Integritätsnachweise digitaler Beweismittel über lange Aufbewahrungsfristen belastbar?

Rahmen: Standards FIPS 203, 204 und 205 des US-amerikanischen NIST (August 2024) – ML-KEM, ML-DSA, SLH-DSA

Rahmen

Recht und Ethik

Neue Werkzeuge ändern nicht die Anforderungen an einen Beweis: Er muss rechtmäßig gewonnen, nachvollziehbar und überprüfbar sein.

  • Verzerrte ModelleModelle übernehmen Verzerrungen ihrer Trainingsdaten. Die Untersuchung des Risikobewertungssystems COMPAS durch ProPublica (2016) ergab, dass schwarze Angeklagte, die nicht rückfällig wurden, fast doppelt so häufig als hochriskant eingestuft worden waren wie weiße.
  • NachvollziehbarkeitIm deutschen Strafprozess würdigt das Gericht Beweise frei (§ 261 StPO); ein Gutachten muss Methode und Grenzen offenlegen. Für Modelle, deren Entscheidungen sich nicht erklären lassen, ist das eine offene Frage.
  • Grenzüberschreitende ErmittlungenTatort, Server und Betroffene liegen oft in verschiedenen Staaten. Klassische Rechtshilfe ist für flüchtige Daten zu langsam; die europäischen Herausgabe- und Sicherungsanordnungen nach Verordnung (EU) 2023/1543 sollen das beschleunigen.
  • Datenschutz und ErmittlungsinteresseCloud-, IoT- und Blockchain-Daten betreffen häufig Unbeteiligte. Beweissicherung muss mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar bleiben.

Ausblick

Beobachtungsfelder

Ausblick – nicht praxisreif

Themen, die verfolgt werden, aber am Anfang stehen oder spekulativ sind. Sie werden weder angeboten noch als gesicherter Stand dargestellt.

Autonome Abwehr

Verschmelzen Erkennung, Abwehr und Beweissicherung zu einem Kreislauf ohne menschliche Verzögerung? Heutige Bausteine und ihre Leitplanken beschreibt ki-forensik.de.

Blockchain-Forensik

Zuordnung von Transaktionen und Adressgruppen in öffentlichen Blockchains – zwischen Transparenz und Privatsphäre.

Virtuelle Umgebungen

Was gilt als Spur in virtuellen und erweiterten Realitäten, und wie wird ein virtueller Tatort gesichert?

Verhaltensbasierte Zuordnung

Programmierstil, Zeitmuster und Tippverhalten als Merkmale zur Zuordnung von Handelnden – mit erheblichen Fragen zu Zuverlässigkeit und Datenschutz.

Neuromorphe Systeme

Hardware nach dem Vorbild von Nervenzellen für energiearme Mustererkennung; der Nutzen für die Forensik ist bislang offen.

Quantenrechner als Werkzeug

Beschleunigte Analyse und Kryptanalyse im Rahmen rechtlich zulässiger Ermittlungen – derzeit ohne praktische Bedeutung.

Wissenschaft

Veröffentlichungen, Promotion und Lehre

Veröffentlichungen

  • F. Weijers u. a. (2024): Forensic strategies and methods in advanced software-defined networks. INFORMATIK 2024, Lecture Notes in Informatics P-352, S. 331–341. doi:10.18420/inf2024_23
  • F. Weijers (2025): IT Forensic Challenges and Comparative Insights: A Comparative Analysis of the NIS-2 Framework (2022) with the BSI IT Forensic Guide (2011). INFORMATIK 2025, Lecture Notes in Informatics P-366, S. 397–406. doi:10.18420/inf2025_27

Promotion

Promotionsprogramm an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol). Abschluss Master of Engineering (M.Eng.) IT-Sicherheit und Forensik, Hochschule Wismar. ORCID: 0009-0001-5397-113X

Lehre

Lehrtätigkeit an Schulen, in der Erwachsenenbildung und an Volkshochschulen. Schulungen, Workshops und Vorträge für Behörden und Unternehmen über 1-sec.de.

Offene Daten und Werkzeuge

Zusammenarbeit

Anfragen zu Abschlussarbeiten, Dissertationen, Fachbeiträgen und Forschungsvorhaben – auch von Hochschulen und Ermittlungsbehörden – an weijers@1-sec.de.

Kontakt

Erreichbarkeit

Forschungsanfragen bitte per E-Mail. Aufträge für Gutachten, Schulungen und Vorträge nimmt das Sachverständigenbüro über 1-sec.de entgegen.

E-Mailweijers@1-sec.de
Mobil 24/7+49 177 3702583
WhatsApp+49 15679 618671
AnschriftElisabethenstraße 24, 97274 Leinach

Vertrauliche Sachverhalte, Angaben zu laufenden Verfahren und Beweisdaten bitte nicht per WhatsApp übermitteln (Hinweis).